Fieber senken bei Kindern: Was muss ich beachten?
Autor: Dr. med. Jörg Zorn, Arzt
Fieber bei Kindern führt bei betroffenen Eltern häufig schnell zu Beunruhigung. Dabei ist eine erhöhte Temperatur zunächst kein Grund zur Sorge, sondern eine normale Reaktion des Körpers bei einer Erkältung. Trotzdem sollten Eltern einen Temperaturanstieg bei ihren Kindern immer aufmerksam beobachten, um ggf. rechtzeitig reagieren zu können. Hier erfahren Sie, wie Sie erhöhte Temperaturen bei Kindern richtig einordnen, wann ein Arztbesuch ratsam ist und welche Möglichkeiten zur Fiebersenkung bei Kindern zur Verfügung stehen.
Wichtige Informationen und Hinweise zu Fieber bei Kindern
Wie hoch darf Fieber bei Kindern sein?
Die Höhe des Fiebers allein lässt nicht immer gleich einen Rückschluss auf die Schwere der Erkrankung zu. Achten Sie immer auch auf das Allgemeinbefinden Ihres Kindes. Ein Kind kann bei 39 °C Fieber noch relativ munter sein, während ein anderes bei 38 °C apathisch und sehr angeschlagen wirkt.
- Beobachtung ist entscheidend: Konzentrieren Sie sich darauf, wie sich Ihr Kind verhält. Trinkt es ausreichend? Reagiert es normal auf Sie oder haben Sie das Gefühl, dass das Verhalten Ihres Kindes ungewöhnlich ist?
- Hohe Temperaturen: Vorübergehendes Fieber bis 40 °C wird von Kindern in der Regel gut vertragen, außer sie wirken schwer krank und stark abgeschlagen.
- Sonderfall Säuglinge: Bei Säuglingen unter drei Monaten sollte eine Körpertemperatur ab 38 °C immer ärztlich abgeklärt werden, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist.
Jedes Kind reagiert unterschiedlich auf Fieber, wann Sie am besten einen Arzt aufsuchen sollten, erfahren Sie hier: Fieber bei Erkältung – Was müssen wir als Eltern beachten?
Wichtige Hinweise zur Fiebersenkung bei Kindern
Wie bekomme ich Fieber bei Kindern schnell runter?
Nicht jede Temperaturerhöhung bei Kindern muss gesenkt werden. Eine Fiebersenkung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Ihr Kind stark unter den Beschwerden leidet oder wegen des Fiebers nicht schlafen und sich somit nicht gut erholen kann. Versuchen Sie am besten immer zuerst das Fieber mit allgemeinen Maßnahmen und Hausmitteln zu senken. Wenn diese nicht wirken, stehen im nächsten Schritt auch verschiedene fiebersenkende Medikamente zur Verfügung.
Allgemeine Maßnahmen zur Fiebersenkung
- Viel trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei Fieber. Durch die erhöhte Temperatur verliert der Körper viel Wasser.
- Leichte Kleidung: Ziehen Sie Ihrem Kind leichte, lockere Kleidung an – am besten im Zwiebellook, dann können Sie schnell und einfach auf Temperaturschwankungen bei Schüttelfrost reagieren. Zu dicke Kleidung kann die Wärmeabgabe behindern. Achten Sie außerdem auf eine angenehme Raumtemperatur im Kinderzimmer mit ausreichend Luftfeuchtigkeit und lüften Sie regelmäßig.
- Wadenwickel: Dieses bewährte Hausmittel kann dabei helfen, die Körpertemperatur zu senken. Tauchen Sie einfach zwei Tücher in lauwarmes Wasser (ca. 25–30 °C), wringen Sie diese gut aus und wickeln Sie sie um die Waden des Kindes. Die Wickel sollten wieder entfernt werden, sobald diese sich wärmer anfühlen. Wichtig: Wenden Sie Wadenwickel nur an, wenn Ihr Kind das nicht unangenehm findet. Bei hohem Fieber sollten Sie lieber auf diese Maßnahme verzichten.
Fiebersenkende Medikamente
Bei hohem Fieber und schlechtem Allgemeinbefinden können Sie das Fieber bei Ihrem Kind auch mit Medikamenten senken. Wirkstoffe der Wahl zur Fiebersenkung bei Kindern sind Ibuprofen oder Paracetamol. Beide sind wirksam, unterscheiden sich aber in einigen Punkten:
- Paracetamol: Dieser Wirkstoff wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd. Paracetamol kann (nach ärztlicher Rücksprache) auch schon bei Säuglingen eingesetzt werden und gilt als gut verträglich. Der Wirkstoff ist in verschiedenen Darreichungsformen wie Zäpfchen und Säften erhältlich. Zäpfchen sind besonders bei Babys und Kleinkindern geeignet, wenn diese noch keine Tabletten schlucken oder Saft trinken möchten/können.
- Ibuprofen: Dieser Wirkstoff wirkt nicht nur fiebersenkend und schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend. Ibuprofen ist ebenfalls für Kinder zugelassen und steht als Saft oder (für ältere Kinder) auch in Tablettenform zur Verfügung. Achten Sie darauf, Ibuprofen nicht auf nüchternen Magen zu verabreichen, da der Wirkstoff die Magenschleimhaut reizen und zu Magen-Darm-Beschwerden führen kann.
Wichtiger Hinweis: Die Dosierung beider Wirkstoffe richtet sich immer nach dem Körpergewicht des Kindes und nicht nach dem Alter. Halten Sie sich daher unbedingt an die genauen Dosierungsanweisungen auf der Packungsbeilage oder an die Ihres Kinderarztes. Kombinieren Sie niemals beide Wirkstoffe ohne Rücksprache mit einem Arzt.
Was tun, wenn Kinder 40 Grad Fieber haben?
Auch 40° C Fieber ist in der Regel nicht gleich gefährlich für Kinder. Tatsächlich kommen im Kindesalter auch solche höheren Temperaturen relativ häufig bei Infekten vor. Auch hier sollten Eltern immer auf den Gesamteindruck und den allgemeinen Gesundheitszustand Ihres fiebernden Kindes achten und regelmäßig die Temperatur kontrollieren.
Wenn das Fieber nur vorübergehend über 40° C ist, können Sie die Temperatur zunächst regelmäßig kontrollieren und versuchen, das Fieber mit allgemeinen Maßnahmen wie viel trinken, Wadenwickel und ausreichend Ruhe zu senken. Zusätzlich können Sie Ihrem Kind fiebersenkende Medikamente geben, wenn die Temperatur weiter ansteigt bzw. die allgemeinen Maßnahmen nicht zur gewünschten Senkung führen.
Bei starker Abgeschlagenheit lieber zum Arzt
Wenn das Fieber trotz dieser Maßnahmen nicht innerhalb von ein bis zwei Stunden sinkt oder sich das Allgemeinbefinden des Kindes weiter verschlechtert, ist umgehend der Kinderarzt zu konsultieren.
Was tun, wenn das Fieber trotz Fiebersaft nicht sinkt?
Es kann vorkommen, dass fiebersenkende Medikamente nicht sofort wirken oder das Fieber nur leicht sinkt. Wenn die Temperatur trotz Fiebersaft immer noch hoch ist oder sogar weiter ansteigt, sollten Sie Ihr Kind genau beobachten und die Temperatur in kurzen Abständen kontrollieren. Geben Sie Ihrem Kind aber etwas Zeit und lassen Sie das Medikament wirken.
Sollte das Fieber trotz korrekter Dosierung des Fiebersafts oder Zäpfchens auch nach 1–2 Stunden nicht sinken und sich der Gesundheitszustand Ihres Kindes weiter verschlechtern, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.
Fieber senken bei Kindern – die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick
Soll man Kinder mit Fieber schlafen lassen oder nicht?
Ja, viel Ruhe und Schlaf unterstützen das kindliche Immunsystem am besten beim Heilungsverlauf. Achten Sie zusätzlich auch auf ein gutes Raumklima im Kinderzimmer. Dabei sollte die Temperatur angenehm sein, damit Ihr Kind nicht friert, und die Luftfeuchtigkeit sollte ausreichend hoch sein, das ist besser für die Schleimhäute der Atemwege.
Sehen Sie außerdem zur Sicherheit öfter einmal nach Ihrem Kind, wenn es schläft, ob Ihr Kind unter Atemnot leidet, Schüttelfrost auftritt oder Sie bemerken, dass sich der Zustand von Ihrem Kind insgesamt verschlechtert.
Welche Hausmittel helfen gegen Fieber bei Kindern?
Es gibt einige bewährte Hausmittel, die Sie bei Ihrem fiebernden Kind unterstützend ausprobieren können. Achten Sie aber darauf, dass Sie nur Hausmittel anwenden, bei denen sich Ihr Kind nicht unwohl fühlt. Probieren Sie am besten aus, was Ihrem Kind guttut und was Sie lieber vermeiden.
- Wadenwickel: Sie sind ein langbewährtes Hausmittel bei erhöhten Temperaturen und einfach anzuwenden. Tauchen Sie Baumwolltücher oder Geschirrtücher in lauwarmes Wasser (ca. 25–30 °C). Wringen Sie die Tücher anschließend gut aus und legen Sie sie faltenfrei um die Waden Ihres Kindes. Bedecken Sie die Wickel mit einem trockenen Tuch. Lassen Sie sie etwa 10 bis 15 Minuten einwirken und entfernen Sie die Wickel, sobald diese warm geworden sind. Wenn Ihr Kind kalte Füße oder Hände hat, sollten Sie keine Wadenwickel anwenden, da dies ein Zeichen dafür ist, dass der Körper friert.
- Essigpäckchen: Geben Sie dafür einen Schuss Apfelessig in lauwarmes Wasser. Tauchen Sie Socken oder Tücher in diese Mischung, wringen Sie sie aus und legen Sie sie auf die Fußsohlen oder die Waden Ihres Kindes. Es heißt, dass die Säure zusätzlich zur Temperatursenkung beitragen kann.
- Kartoffelwickel: Das Prinzip hier ist ähnlich wie bei den Wadenwickeln, nur im Brust-Bauch-Bereich. Kochen Sie zwei bis drei Kartoffeln, zerdrücken Sie sie zu einem Brei und wickeln Sie diesen in ein Tuch. Wenn die Temperatur des Wickels für Ihr Kind angenehm ist, legen Sie ihn auf die Brust oder den Bauch.
- Wadenwickel mit Zwiebeln: Schneiden Sie eine Zwiebel in Ringe oder kleine Würfel, füllen Sie diese in ein kleines Säckchen oder eine Socke und legen Sie sie Ihrem Kind auf die Fußsohlen. Man geht davon aus, dass die ätherischen Öle der Zwiebel ebenfalls zur Fiebersenkung beitragen können.
- Lauwarme Bäder: Wenn Ihr Kind das mag, können Sie auch ein lauwarmes Bad ausprobieren. Die Temperatur sollte 1–2 Grad unter der aktuellen Körpertemperatur des Kindes liegen. Das Wasser verdunstet auf der Haut und entzieht dem Körper auf sanfte Weise Wärme.
Soll man bei Fieber die Stirn kühlen?
Das Kühlen der Stirn wird von vielen Kindern als angenehm empfunden. Tatsächlich wird die Temperatur durch diese Maßnahme aber nicht direkt gesenkt – jedenfalls nicht in einem relevanten Umfang. Aber alles, was Ihrem Kind guttut und für Erleichterung sorgt, trägt indirekt zum Heilungsprozess bei und kann somit auch die Fiebersenkung unterstützen.
Wenn Ihr Kind das als angenehm empfindet, können Sie daher die Stirn beispielsweise mit einem kühlen Waschlappen oder einem Cool-Pack kühlen. Achten Sie aber darauf, dass die Anwendungen nicht zu kalt sind, da es sonst zu Hautreizungen kommen kann.
Quellen:
Huppertz, H-I. "Das fiebernde Kind." Pädiatrie (2013): 429-433.
Zepp, F. "Fieber." Monatsschrift Kinderheilkunde 169.5 (2021): 402-402.
FORSTER, DR MED JOHANNES, and DR MED STEFAN SAUERLAND. "Fieber senken bei Kindern und Erwachsenen: Ab wann ist es sinnvoll?."



