Ausschlag um den Mund bei Kindern mit Erkältung – Was ist das?
Autor: Dr. med. Jörg Zorn, Arzt
Wenn Kinder neben typischen Erkältungssymptomen auch noch einen Ausschlag im Gesicht und um den Mund herum entwickeln, führt das bei Eltern schnell zu Beunruhigung. Ob ein solcher Ausschlag Grund zur Sorge ist oder zu Hause auskuriert werden kann, hängt dabei von der Ursache ab. Hier erfahren Sie wichtige Hinweise und Unterscheidungsmerkmale für eine erste Einordnung sowie Empfehlungen, wie Sie sich am besten verhalten.
Hintergründe und Symptome
Was bedeutet ein Hautausschlag bei Kindern um den Mund herum?
Ein Hautausschlag in diesem Bereich im Gesicht kann verschiedene Ursachen haben. Die Hautveränderung kann beispielsweise ein Begleitsymptom einer viralen oder bakteriellen Infektion sein. Bei vielen typischen Kinderkrankheiten – und manchmal auch bei einer Erkältung – kann sich ein Ausschlag um den Mund bilden.
Manchmal handelt es sich aber auch um eine eigenständige Hauterkrankung, die durch das feuchtwarme Klima um den Mund begünstigt wird, besonders bei kleineren Kindern, die häufig speicheln, sich die Lippen ablecken oder unter einer laufenden Nase leiden.
Kann eine Erkältung einen Ausschlag auslösen?
Ja, in manchen Fällen kann eine Erkältung einen Hautausschlag auslösen, besonders bei Kindern. Dies geschieht auf zwei Wegen.
Zum einen reagiert das Immunsystem des Kindes auf die ursächlichen Viren (z. B. Rhinoviren) mit einem unspezifischen Hautausschlag. Diese Hautveränderung wird als sogenanntes Virusexanthem bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Reaktion des Körpers auf die allgemeine Infektion. Dieser Ausschlag zeigt sich oft als feinfleckige Rötung, die am ganzen Körper, aber auch im Gesicht, auftreten kann. Meist juckt der Ausschlag nicht oder nur leicht und verschwindet von selbst wieder, wenn die Erkältung abklingt.
Zum anderen wird der Bereich um Mund und Nase bei einer Erkältung stark mechanisch und chemisch gereizt, besonders bei kleinen Kindern. Der ständige Kontakt mit Nasensekret und Speichel sowie das häufige Reiben mit Taschentüchern schädigen die Hautbarriere.
Gerade kleinere Kinder lecken sich oft reflektorisch die Lippen und die Umgebung ab, um die trockene Haut zu befeuchten. Das führt aber paradoxerweise dazu, dass die Haut nur noch weiter austrocknet und zusätzlich gereizt wird. Diese lokale Reizung kann dann Rötungen bzw. Schuppungen hervorrufen, die wie ein Ausschlag aussehen. Wenn zusätzlich auch noch Bakterien von der Haut durch die geschädigte Hautbarriere eindringen, kann es zu Entzündungen in diesem Bereich kommen.
Mögliche Ursachen
Welche Kinderkrankheit beginnt mit einem Ausschlag um den Mund herum?
Bei der Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) oder Scharlach kommt es häufig zu einem Ausschlag im Gesichtsbereich. Meist beginnen die Erkrankungen jedoch mit anderen Beschwerden wie unspezifischen, erkältungsähnlichen Symptomen und die Hautveränderung tritt erst im Verlauf auf.
Bei der sogenannten Impetigo contagiosa, umgangssprachlich auch Borkenflechte genannt, kommt es ebenfalls zu einem Ausschlag um den Mund herum. Dabei handelt es sich um eine hochansteckende, durch Bakterien ausgelöste Infektion der Haut, die vor allem bei Kindern vorkommt. Bei den Betroffenen kommt es zunächst zu einer Rötung um den Mund herum oder auch an den Händen. Im Verlauf bilden sich an diesen Stellen dann kleine Bläschen, die schnell aufplatzen und ein gelbliches Sekret entleeren. Dieses trocknet dann meist ein und es entstehen die für die Erkrankung typischen „honiggelben Krusten“.
Wie sieht eine Mundrose aus?
Bei der Mundrose, medizinisch Periorale Dermatitis genannt, entwickeln Betroffene kleine, rote Knötchen (Papeln), manchmal auch Bläschen oder Pusteln. Diese befinden sich meist um den Mund und/oder die Nase herum und führen zu Juckreiz und einem unangenehmen Spannungsgefühl.
Anders als bei anderen Erkrankungen ist bei der Mundrose aber typischerweise der Bereich unmittelbar um die Lippen herum ausgespart. Es gibt also einen schmalen, gesunden Hautstreifen um den Mund herum, der nicht von dem Ausschlag betroffen ist. Das hilft bei der Abgrenzung zu anderen Erkrankungen.
Wo beginnt der Ausschlag bei der Hand-Mund-Fuß Krankheit?
Die HFMK beginnt häufig mit unspezifischen Erkältungssymptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Im Verlauf kommen dann meist Halsschmerzen dazu.
Ein bis zwei Tage später zeigen sich kleine, rote Flecken und schmerzhafte Bläschen in der Mundhöhle, oft an Zunge und Zahnfleisch. Kurze Zeit darauf folgt der typische Ausschlag an den Handflächen und Fußsohlen. Bei manchen Kindern tritt der Ausschlag auch um den Mund herum oder an Gesäß und Knien auf.
Wie sieht der Mund bei Hand-Fuß-Mund-Krankheit aus?
Im Mundraum bilden sich im Verlauf der Erkrankung kleine, rote Flecken, die schnell zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen werden und später aufplatzen, sodass kleine Aphthen entstehen. Diese Läsionen sind für Betroffene häufig sehr schmerzhaft und können das Essen und Trinken äußerst unangenehm machen.
Wie sieht ein Scharlach-Hautausschlag aus?
Der Scharlach-Ausschlag ist typischerweise kleinfleckig und breitet sich vom Hals-Nacken-Bereich weiter auf Rücken, Rumpf, Arme, Beine und Gesicht aus. Die feinen roten Punkte sind etwa stecknadelkopfgroß, deutlich rot gefärbt und fühlen sich beim Darüberstreichen oft rau oder sandpapierartig an.
Im Gesicht bleibt jedoch die Mundregion klassischerweise ausgespart, sprich Wangen und Stirn sind betroffen, aber die Mundpartie bleibt verschont. Das führt dazu, dass die Mundregion im Vergleich zum restlichen geröteten Gesicht hell bzw. fast weiß erscheint. Daher spricht man auch von dem sogenannten „Milchbart-Phänomen“ oder einer perioralen Blässe bei Scharlach.
Wann zum Arzt?
Wenn Ihr Kind einen Ausschlag mit Fieber, starker Abgeschlagenheit, Trinkverweigerung (besonders wichtig bei HFMK wegen der schmerzhaften Bläschen im Mund) oder starken Halsschmerzen hat, sollten Sie umgehend eine kinderärztliche Praxis aufsuchen. Ein Arztbesuch ist auch ratsam, wenn der Ausschlag länger als ein paar Tage besteht, sich ausbreitet oder Sie keine Erklärung für die Hautveränderung haben.
Gerade Kinderkrankheiten wie Scharlach erfordern eine antibiotische Behandlung, um Spätfolgen zu vermeiden. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel als zu wenig ärztlichen Rat einholen.
Ausschlag um den Mund bei Kindern mit Erkältung - die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick
Warum bekommt mein Kind Ausschlag um den Mund herum?
Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Eine Möglichkeit ist eine virale Infektion, wobei der Ausschlag eine Begleiterscheinung der Erkältung oder einer Kinderkrankheit wie der Hand-Fuß-Mund-Krankheit sein kann.
Eine andere Ursache ist eine bakterielle Infektion wie Scharlach, die durch Streptokokken ausgelöst wird. Schließlich kann es sich auch um eine eigenständige Hauterkrankung (Mundrose) handeln. Diese ist nicht ansteckend, wird aber oft durch äußere Reizungen wie übermäßige Pflege, Kortison oder ein dauerhaft feuchtwarmes Milieu aus Speichel und Nasensekret begünstigt.
Wie sieht ein Scharlachfleck aus?
Der typische Scharlach-Ausschlag besteht aus sehr kleinen, eng beieinander liegenden, tiefroten Punkten und fühlt sich oft rau an. Die Rötungen breiten sich ausgehend vom Nackenbereich weiter auf den ganzen Körper aus. Nur die Region um den Mund herum bleibt typischerweise verschont. Dafür kommt es im Verlauf häufig zum Anschwellen und einer Rötung der Zunge. Dieses Phänomen wird auch als „Himbeerzunge“ bezeichnet.
Quellen:
T. Jansen et al. Periorale Dermatitis im Kindesalter. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-2007-966458.pdf.
Robert-Koch-Institut. Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK). Stand 2025. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HFMK.html.
Robert-Koch-Institus. Scharlach (Streptococcus pyogenes). Stand 2024. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/S/Scharlach/scharlach-node.html.




