Ohrenschmerzen bei Kindern – was tun?
Autorin: Dr. med. Chiara Grabmann, Ärztin
Wenn die Ohren im Rahmen einer Mittelohrentzündung oder anderer Erkrankungen wehtun, ist das für betroffene Kinder oft sehr unangenehm. Viele Eltern sind deshalb beunruhigt und suchen verständlicherweise nach Mitteln und Maßnahmen, um die Ohrenschmerzen bei ihren Kindern zu lindern. Wir erklären Ihnen, was Sie als Eltern beim Thema Ohrenschmerzen beachten sollten, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
Übersicht: Behandlungsmöglichkeiten bei Ohrenschmerzen
Was hilft gegen Ohrenschmerzen beim Kind?
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache, an erster Stelle steht aber meist die Schmerzlinderung. Hier stehen beispielsweise klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol (als Saft oder Zäpfchen) zur Verfügung, die in entsprechender Dosierung auch bei Kindern gegeben werden dürfen. Diese wirken nicht nur gegen den Schmerz, sondern senken bei Bedarf auch begleitendes Fieber und wirken entzündungshemmend.
Zusätzlich können auch abschwellende Nasentropfen in Betracht gezogen werden. Sie helfen dabei, die Verbindung zwischen Nasenrachenraum und Mittelohr (die sogenannte Eustachische Röhre) wieder freier zu machen, damit angesammeltes Sekret besser abfließen kann. Dadurch reduziert sich das unangenehme Druckgefühl im Ohr und die Schmerzen lassen nach.
Achten Sie zudem darauf, dass Ihr Kind viel trinkt und sich körperlich schont. Auf diese Weise unterstützen Sie das kindliche Abwehrsystem, damit es die Infektion besser bekämpfen kann.
Was tun bei einseitigen Ohrenschmerzen?
Einseitige Schmerzen sind typisch für eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media). Diese kann beidseitig auftreten oder eben auch nur auf einer Seite. Auch eine Gehörgangsentzündung kann zu einseitigen Schmerzen im Ohr führen.
Wie kann es dazu kommen? Lesen Sie hier: Ohrenschmerzen einseitig ohne Fieber – Was hat mein Kind?
Je nach Ursache gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. In beiden Fällen sollten Sie Ihr Kind zunächst lieber auf die schmerzfreie Seite legen, um den Druck auf dem betroffenen Ohr zu reduzieren. Auch hier können bei starken Schmerzen schmerzlindernde Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol in entsprechender Dosierung helfen.
Bei einseitigen Beschwerden nach dem Schwimmen kann es sich auch um eine „Badeotitis“ handeln, bei der Bakterien im äußeren Gehörgang eine Entzündung auslösen. Hier müssen oft spezielle desinfizierende Ohrentropfen angewendet werden. Antibiotika sind in der Regel erst notwendig, wenn die Entzündung trotz entsprechender Behandlung auch nach mehreren Tagen nicht besser wird.
Was bringt eine Zwiebel am Ohr?
Das wohl bekannteste Hausmittel bei Ohrenschmerzen ist das Zwiebelsäckchen. Die Zwiebel enthält ätherische Öle, die entzündungshemmend und keimtötend wirken, und ist damit eine sanfte Methode, um den Heilungsprozess zu unterstützen.
Für die Anwendung hacken Sie einfach eine Zwiebel klein, erwärmen sie kurz (z. B. über Wasserdampf oder in einer Pfanne ohne Fett) und füllen sie in ein Baumwolltuch oder eine Socke. Dieses Säckchen legen Sie dem Kind auf das schmerzende Ohr und fixieren es mit einem Stirnband oder einer Mütze. Viele Betroffene empfinden die Kombination aus Wärme und den Wirkstoffen der Zwiebel als sehr wohltuend.
Tipps und Hinweise bei Ohrenschmerzen
Können Ohrenschmerzen von selbst weggehen?
Ja, das ist sogar recht häufig der Fall. Ein Großteil der unkomplizierten Mittelohrentzündungen bei Kindern heilt innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst ab. Der Körper der kleinen Patienten ist oft gut in der Lage, die Infektion eigenständig zu bekämpfen, wenn das Kind ansonsten fit ist.
Das heißt aber nicht, dass Sie Ihr Kind nicht während des Heilungsverlaufs unterstützen und die Beschwerden lindern können. Außerdem ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind immer sorgsam beobachten: Wenn sich der Zustand nach 48 Stunden nicht bessert oder die Schmerzen massiv zunehmen, sollten Sie lieber einen Arzt aufsuchen.
Soll man bei Ohrenschmerzen direkt zum Arzt?
Nein, nicht bei jedem leichten Ziehen im Ohr müssen Sie sofort in die Praxis gehen. Häufig treten die Ohrenschmerzen in Zusammenhang mit einem harmlosen grippalen Infekt auf und verschwinden innerhalb weniger Tage wieder. Es gibt jedoch klare Warnsignale, bei denen ein Arztbesuch unbedingt anzuraten ist:
- Wenn Ihr Kind hohes Fieber hat.
- Wenn sich der Allgemeinzustand deutlich verschlechtert (z. B. ausgeprägtes Krankheitsgefühl, ungewöhnliches Verhalten)
- Wenn Flüssigkeit(Eiter oder Blut) aus dem Ohr läuft (Verdacht auf einen Trommelfellriss).
- Wenn die Schmerzen trotz Schmerzmitteln nicht nachlassen.
- Bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren sollten Sie grundsätzlich früher einen Arzt aufsuchen, da sich die Beschwerden teilweise nur schwer erkennen lassen.
Sind bei einer Ohrenentzündung immer Antibiotika nötig?
Nein, in der Regel sind bei typischen Entzündungen im Bereich der Ohren keine Antibiotika notwendig. Häufig breitet sich die Entzündung im Rahmen eines viralen Atemweginfekts weiter auf die Ohren aus, daher sind Antibiotika in diesen Fällen wirkungslos. Auch bakterielle Gehörgangsentzündungen können zunächst meist ohne Antibiotika, mit desinfizierenden Spülungen und Einlagen, behandelt werden.
Erst wenn eine ausgeprägtere bakterielle Infektion vermutet wird oder sich die Symptome unter der Behandlung nicht bessern, werden Antibiotika eingesetzt.
Ohrenschmerzen bei Kindern behandeln – die wichtigsten Fragen und Antworten auf einen Blick
Was hilft am schnellsten gegen Ohrenschmerzen?
Wenn Ihr Kind mitten in der Nacht mit starken Schmerzen aufwacht, ist die schnellste Hilfe meist die Gabe eines altersgerechten Schmerzmittels (Ibuprofen oder Paracetamol). Diese Medikamente wirken meist schon innerhalb von 30 bis 60 Minuten.
Parallel dazu lindern abschwellende Nasensprays schnell den Druck. Versuchen Sie außerdem, den Oberkörper Ihres Kindes etwas höher zu lagern. Meist geht das am besten mit einem großen Kissen. Dadurch sinkt der Druck im Kopfbereich etwas und die Schmerzen werden reduziert.
Was wirkt entzündungshemmend im Ohr?
Um Entzündungen im Bereich des Ohres entgegenzuwirken, sind zwei Ansätze wichtig:
- Systemisch: Wirkstoffe wie Ibuprofen wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern auch entzündungshemmend. Sie verteilen sich über den Blutkreislauf und wirken dadurch im gesamten Körper.
- Lokal: Zusätzlich kann der Entzündung auch direkt vor Ort entgegengewirkt werden. Beispielsweise hilft ein Zwiebelsäckchen auf dem Ohr gegen die Entzündung.
Wichtig: Träufeln Sie niemals ohne ärztliche Rücksprache Öle oder andere Flüssigkeiten direkt in den Gehörgang des Kindes, solange nicht sicher ist, dass das Trommelfell intakt ist. Sonst besteht das Risiko, dass die Flüssigkeiten weiter ins innere Ohr gelangen und dort zu Komplikationen führen.
Quellen:
Meyer, Fritz. "Kinder und Jugendliche mit Otalgien." Allgemeinmedizin up2date 2.01 (2021): 75-91.
Thurnher, Dietmar, et al. "Ohrenschmerzen." HNO-Heilkunde: Ein symptomorientiertes Lehrbuch (2011): 189-200.
Bradley W. Kesser et al., MSD Manual „Infektion des Gehörgangs (Badeotitis)“, verfügbar unter: https://www.msdmanuals.com/de/heim/hals-nasen-und-ohrenerkrankungen



